Fortsetzung des Projekts

Mit dem Ergebnisbericht des Projekts Armutsdynamik im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns liegen erste Auswertungen der Vollerhebung von Sozialhilfeakten (1990-2004) in Ostvorpommern und ein Fallvergleich zur Tradierung von Armut für sechs Familien über drei Generationen im ländlichen Raum vor. Die Befunde der quantitativen und qualitativen Analysen weisen auf eine Überschneidung verschiedener Ebenen von Zeitlichkeit, eine Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen hin: Der soziale Wandel infolge des Transformationsprozesses hat sich bereits in den zeitlichen Mustern des Sozialhilfebezugs niedergeschlagen, die Sozialhilfedynamiken in Ost und West haben sich einander angeglichen. Gleichzeitig treffen in den Familien die nach 1990 eingeführten institutionellen Rahmenbedingungen auf tradierte, inkorporierte Wissensbestände, wie z. B. eine „schicksalhafte“ Lebensorientierung, die die biografische Zeit im ländlichen Raum als „zurückgeblieben“ erscheinen lässt.
Ab Januar 2005 wurde mit der Einführung des vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt die Sozialhilfe nach dem ehemaligen SGB XII bzw. dem älteren BSHG für erwerbsfähige Personen mit der Arbeitslosenhilfe zum Arbeitslosengeld II zusammengelegt. Vor diesem Hintergrund stellt sich für die zweite Förderphase des Projektes die Frage, wie sich prekäre Lebensverhältnisse im ländlichen Raum Ostvorpommerns weiter entwickeln werden, welche zeitlichen Verläufe und Bewältigungsstrategien von Armut unter den Bedingungen sich verschärfender gesellschaftlicher Disparitäten sichtbar werden.